Adolf Fischera und die Geburt der "Schwarzen Teufel"

 

Die Mannschaft von Borussia Neunkirchen nach dem Sieg im Endspiel um den Süddeutschen Pokal 1921 

Es ist noch immer einer der größten Erfolge der Vereinsgeschichte: Heute vor 90 Jahren, am 12. Juni 1921, gewann Borussia Neunkirchen den Süddeutschen Pokal. Damit gehörten die "Schwarzen Teufel" aus dem Saargebiet endgültig zu den Großen im deutschen Fußball. Vater des Erfolgs war der Wiener Adolf Fischera.

Wallrath blies die Backen auf. Der Fotograf brauchte seine Zeit. Regitz schaute zur Seite. Die anderen schauten ernst in die Kamera. Einige Kinder bogen ihre Köpfe ins Bild. Reinhard, der Torwart, steckte bis zum Hals im Siegerkranz. Auf einem Kästchen im Staub stand der Pokal. Wallrath, Regitz, Reinhard, daneben Kaufmann, Hoffmann, Rauch, Breyer, Feiler, Schmelzer und Lutz. Auf dem Foto sind alle elf Spieler zu sehen, die für Borussia Neunkirchen 1921 den Süddeutschen Pokal gewannen. Der elfte war Adolf Fischera.

Im Pokalfinale gegen den Nürnberger FV, das 3:2 endete, schoss Fischera zwei Tore; das dritte Tor bereitete er vor. Wenn man heute dieses Foto der Sieger vom 12. Juni 1921 betrachtet, umringt von den Zuschauern in Stuttgart, kann man die Geschichte kaum glauben, die es erzählen will. Diese Geschichte handelt vom Pokalsieg als damals größtem Erfolg der Borussia, von einer ganzen Stadt in Euphorie und von einem wahren Star – Fischera.

Fischera – ein Star der Frühgeschichte des Fußballs

Er ist eine Figur aus der Frühgeschichte des Fußballs. Adolf Fischera (1888-1938) wurde in Wien geboren, wo um 1900 der beste Fußball außerhalb Englands kultiviert wurde. Fischera begann in der Mannschaft der Viktoria. "Er wurde in kurzer Zeit einer der glanzvollsten Spieler Wiens, ein wunderbarer Techniker und Dribbler", schrieb Willy Schmieger in Der Fußball in Österreich (1925). Ab 1906 gehörte Fischera dem Wiener Athletik-Club (WAC), später dem Wiener Assoziations-Footballclub (WAF) an. Mit dem WAF wurde er 1914 Österreichischer Meister. Alle Spieler der Meisterelf zählten zur Nationalmannschaft. Fischera war auf dem Höhepunkt seiner Karriere, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Nach Kriegsende spielte er für den Zweitligisten Schwechat bei Wien. Der spätere Sportjournalist Erich Menzel, ein Neunkircher, überredete ihn zum spektakulären Wechsel ins Saargebiet.

Der Süddeutsche Pokal wird im Schaufenster der Geschäftsstelle ausgestelltIm Juni 1920 bezog Fischera mit seiner Familie eine Wohnung in der Neunkircher Bahnhofstraße. Der neue Ort war schmutzig, seine "arbeitsame Düsterheit" (Joseph Roth) bedrückend. Das Hüttenwerk färbte seine Umgebung mit schwarzem Staub. Entfernt davon lag das Ellenfeld, wo die Borussia in der höchsten Klasse spielte. Die Mannschaft spielte meist in Weiß.

Geburt der "Schwarzen Teufel"

Am 13. Juli 1920 stand in der Neunkirchener Zeitung: "Die Borussen erschienen heute nachmittag in einem neuen Gewande: schwarze Blusen und ebensolche kurze Hosen. Ob sie dadurch äußerlich gewonnen haben, müssen wir bezweifeln." An diesem Nachmittag wurden in Neunkirchen die "Schwarzen Teufel" geboren. In ersten Ansätzen zeigten die Borussen gegen Idar (9:0) jenes Flachpass-Spiel, das sie europaweit bekannt machen sollte.

Die schwarze Farbe, die im Stadtbild so bedrückend wirkte, wurde auf dem Spielfeld zum Zeichen heller Freude. So repräsentierte Borussia ein anderes Neunkirchen. Für den Farb- und Stilwechsel verantwortlich war der alte Fischera, als Spieler-Trainer. In seinem ersten Jahr gewann Borussia erstmals und ungeschlagen die regionale Meisterschaft. Sensationell zog die Mannschaft ins Endspiel um den Süddeutschen Pokal ein – es sollte Fischeras bestes Spiel werden. Nach dem Abpfiff stellte er sich mit den "Schwarzen Teufeln" auf zum Siegerfoto. Wallrath blies die Backen auf. Da war der Fotograf soweit. TOBIAS FUCHS

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news1 - 12.03.2010

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